Hatz-Moninger nimmt neues Sudhaus in Betrieb

„Nach guten Bieren, die sich mit der Qualität aller Mitbewerber messen können, sind wir jetzt in der Lage, hervorragende Spitzenbiere zu brauen“ schwärmt Horst Winterberg, Geschäftsführer der Hatz-Moninger Brauhaus GmbH in Karlsruhe. Möglich macht dies ein neues Sudhaus. Das Herzstück jeder Brauerei entstand bei Hatz-Moninger in einer Rekordbauzeit von nur acht Monaten und kostete nebst modernem Gebäude 3,4 Millionen Euro. Im Oktober  war der offizielle Startschuss und am 3. Oktober von 10.00 bis 18.00 Uhr konnten sich Interessierte an einem Tag der offenen Tür bei laufender Produktion von Braumeister und Brauern die Bierherstellung demonstrieren lassen. Zudem erwartete die Besucher auf dem Betriebsgelände im Karlsruher Stadtteil Grünwinkel ein ansprechendes Rahmenprogramm.

„Von Einheitsbieren zurück zu unverkennbarem Eigengeschmack“
Mit dem Neubau verfügt die Brauerei jetzt über eine kompakte, moderne Braustätte mit optimalen Produktionsabläufen. Winterberg spricht von einem klassischen Sudhaus. „Von Einheitsbieren die Konsumenten von Berchtesgaden  bis Puttgarden schmecken sollen, wieder zurück zum regionalen Eigengeschmack“. Er erinnert an das hervorragende Kaiserbier von Moninger und das allzeit beliebte Ratsherrn Pilsener von Sinner sowie an das Augustus Pils von Hatz-Brauereigründer August Hatz, das auf der Internationalen Getränkeausstellung 1900 in Paris mit der Goldmedaille ausgezeichnet wurde. Am 20. Juni 1905 verlieh der Großherzog von Baden der Firma August Hatz das Hofprädikat. „Das neue Sudhaus ermöglicht es, Exportbiere wie früher zu brauen: Malz aromatisch und vollmundig mit goldgelber Färbung und Pils-Biere mit Hopfen aromatischer Note von heller Farbe mit kompakter Schaumkrone“, verdeutlicht der Brauereichef. Dies sei nur mit neuer Technik und hervorragendem Braumeister machbar. „Hergestellt werden in Zukunft exzellente Spitzenbiere mit Rohstoffen aus der Region.“

In dem zweistöckigen Bau mit knapp 1500 Quadratmetern Nutzfläche sind die modernen Sudgefäße, die vom Hofbrauhaus Hatz übernommen und in Rastatt ausgebaut wurden, untergebracht. Weitere Neuanlagen wie eine Malzsiloanlage mit sechs Silos je 60 Tonnen Nutzinhalt, Förderwege und Reinigungsanlagen für Malz sowie die Erweiterung des Sudwerkes durch eine Nassschrotmühle und eine Maischebottichpfanne wurden vorgenommen. Die Wassertanks zur Speicherung von kaltem und warmem Brauwasser wurden versetzt und der Neubau eines Kühllagers für Hopfen entstand. Zum Brauwasser merkt Winterberg an, dass das von Hatz-Moninger aus eigenen im 140.000 qm Gelände gelegenen Brunnen bis zu einer Tiefe von 148 m geförderte Wasser Jahrtausendwasser ist. Einschlägige Untersuchungen haben Mineralwasser Qualität bestätigt.

Eine neue CIP-Anlage zur vollautomatischen Reinigung aller Sudgefäße und Leitungen sowie die Erweiterung der bestehenden Steuerung und Visualisierung im Produktionsbereich ergänzen die Baumaßnahmen. Das neue Sudhaus bringt es auf eine tägliche Kapazität von zwölf Suden je zirka 200 Hektoliter.

Das Innenleben des alten Sudhauses in Karlsruhe wird verschrottet, das Gebäude voraus-sichtlich ab nächstes Jahr zu einem attraktiven Besuchertreff umgebaut. Das bisherige Hatz-Sudhaus in Rastatt wurde – wie erwähnt – teilweise abgebaut und ist nun das Herzstück im Karlsruher Neubau.

Fusion betriebstechnisch abgeschlossen

Mit der Investition in das neue Sudhaus ist die Zusammenführung der Brauerei Moninger mit der Rastatter Hofbrauhaus Hatz AG betriebstechnisch abgeschlossen, der Sudbetrieb der Brauerei Hatz nach Karlsruhe-Grünwinkel verlegt. Jetzt kann dort die Marke Hatz nach Originalrezepten und mit Braumeister Michael Riedl und  Bierbrauer des Rastatter Betriebes weiter gebraut werden. „Hatz ist nun die Kernmarke für die Gastronomie, den Getränkefach- und den Lebensmittelhandel im regionalen Absatzgebiet“, verdeutlicht Winterberg, der zuvor schon erfolgreich die Brauerei Moninger geleitet hat.

Im Frühjahr 2010 hatte Winterberg den Zusammenschluss der beiden badischen Traditionsbrauereien auf den Weg gebracht und durchgezogen. Für Winterberg ist die Fusion ein Heimspiel, war er doch 20 Jahre bei Hatz als Außendienstmitarbeiter, Logistik- und Vertriebsleiter verantwortlich und ist mit den Strukturen dort bestens vertraut. Entstanden ist durch den Zusammenschluss eine Braustätte, die nach Millioneninvestitionen in Markt und Technik Bier, Trendgetränke  und alkoholfreie Produkte anbietet. Von im Lohnauftrag gebrauten Bieren will sich Hatz-Moninger mittelfristig verabschieden. Winterberg hat sich vorgenommen, den überregionalen Vertrieb von Moninger Bieren und Trendgetränken wie Bioflora, Red Sonja und Bleifrei – dieses alkoholfreie Bier hat enorme Zuwachsraten zu verzeichnen – auszubauen sowie die internationalen Geschäftsverbindungen mit Partnern in Holland, Bulgarien , Russland, Japan und Australien zu intensivieren.

Winterberg verhehlt nicht, dass ihm der deutsche Biermarkt Sorge bereitet: Der bundesweit gestiegene Bierabsatz im ersten Halbjahr 2011 konnte sich nämlich nicht fortsetzen, brach im Juni und Juli ein und beschert der Branche einen katastrophalen Sommer. Gestiegen ist der Anteil der Billigbiere  und Biermischungen am Absatz: Biere gemischt mit Limonade, Cola, Fruchtsäften und anderen alkoholfreien Zusätzen kommen bei den Bundesbürgern gut an. Die größte Sorge bereitet Winterberg allerdings der Preisverfall der überregionalen Biere. Hier wird der Mittelstand bewusst über die Preispolitik angegriffen. Diese Entwicklung im Lebensmittelhandel durch das Sterben des Tante Emma Ladens, von allen Bürgern hautnah miterteilt, wird auch in der vielfältigen deutschen Brauereilandschaft angestrebt. Winterberg sagt deutlich, dass die einzigartige Geschmacks- und Qualitätsvielfalt im deutschen Markt nur der Verbraucher, der Konsument, erhalten kann, indem er seine Brauerei und damit seinen eigenen Geschmack durch Kauf seiner regionalen Marke unterstützt.

Die „kleine badische Lösung“

Durch die Fusion mit Hatz gelang es dem rührigen Brauereichef Winterberg, einen Teil seiner Visionen umzusetzen, also die „kleine badische Lösung“ zu verwirklichen. Mit der ursprünglichen Planung einer Südwestbrauerei, die vor allem vom damaligen Hoepfner-Eigner Friedrich Georg Hoepfner verfolgt wurde, konnten sich dann letztendlich die vorhandenen Wunschpartner nicht anfreunden. Hatz-Moninger füllt für einen der angedachten Partner aber mittlerweile das gesamte Flaschenbierprogramm ab. Hoepfner schlüpfte am 01.01.2005 unter das internationale Dach der Brau Holding International KG (BHI), einer Tochter der Münchener Schörghuber Unternehmensgruppe und der holländischen Heineken N.V.

Mit dem neuen Sudhaus in Grünwinkel sind für Winterberg die Investitionen in die Zukunft nicht abgeschlossen: In Zusammenarbeit mit der Stadt Karlsruhe ist ein neues Umwelt schonendes Kraftwerk zur Gewinnung von Heißwasser, Dampf und Strom geplant. Die voraussichtlichen Investitionskosten beziffert Winterberg auf rund 1,2 Millionen Euro.

Seit 1856 und 1863 präsent

Mit der Hatz-Moninger Brauhaus GmbH wird die Jahrhunderte alte Brauereipräsenz im regionalen Biermarkt fortgesetzt: Am 16. Dezember 1856 erhielt Stephan Moninger vom Großherzoglichen Stadtamt Karlsruhe die Konzession zum Ausschank seines selbst gebrauten Bieres. Die Gründung der S. Moninger mit seiner Frau Marie, Witwe des verstorbenen Brauereibesitzers Louis Kaufmann, war somit amtlich. Der 29-jährige Firmengründer musste unter 27 bereits existierenden Braustätten bestehen. In Rastatt eröffnete der Bierbrauer August Hatz 1863 seine Brauerei. Es gehörte schon Wagemut dazu, bei 20 bereits in Rastatt vorhandenen Brauereien die 21. zu gründen. Der anfangs kleine Brauereibetrieb entwickelte sich schnell. Im Mittelpunkt aller Planungen und Investitionen stand die Erzielung der höchsten Bierqualität. Bereits zum 75-jährigen Bestehen 1938 hatte sich das Familienunternehmen zu einem der führenden Industriebetriebe der Stadt Rastatt entwickelt. Durch stetige Investitionen in die Brauereianlagen und in den Markt konnte sich das Hofbrauhaus Hatz in der Vergangenheit zwar behaupten, doch angesichts der angespannten Marktlage waren sowohl bei Hatz als auch bei Moninger notwendige technische Investitionen nicht mehr alleine zu bewältigen. Deshalb entschlossen sich beide Brauereien, an einem Strang zu ziehen und stellen sich nun vereint den Herausforderungen der Zukunft.

Im Gegensatz zu Hatz ist Moninger schon lange kein Familienbetrieb mehr: 1967 kaufte die Reemtsma-Gruppe ein Aktienpaket von 25 Prozent. Weitere Übernahmen durch deutsche Unternehmensgruppen folgten bis 1990 zum Glück die Stuttgarter Hofbräu (STINAG-Gruppe) rund 80 Prozent der Moninger Aktien übernahm.  Nachdem die Stuttgarter Hofbräu 2010 vollständig von der Radeberger Gruppe gekauft wurde, war Moninger nun in der STINAG-Gruppe Stuttgart die einzige Brauerei und somit völlig eigenständig ohne Anschluss an einen Brau-Konzern im Markt tätig. „Die Zugehörigkeit zum STINAG-Konzern, der allerdings in völlig anderen Branchen unterwegs ist, verbietet zwar die Bezeichnung ‚Privatbrauerei‘ , aber eigentlich sind wir in Karlsruhe die einzig wirkliche private Mittelstandsbrauerei“ sagt Winterberg.

Neues Sudhaus 002

Den Stadtteil Grünwinkel aufgewertet

1972 übernahm Moninger die Aktienmehrheit der Sinner AG und erwarb damit ein Gelände von rund 140 000 Quadratmetern in Grünwinkel. Dort entstand 1978/79 die neue Braustätte. Da sich das Firmenareal in Grünwinkel als viel zu groß für den Brauereibetrieb erwies, bemühte sich Winterberg jahrelang bei der Stadt Karlsruhe um eine Vermarktung. Nach schwierigen Verhandlungen konnte er sich durch- und sein Märktekonzept „Treffpunkt Moninger“ umsetzen. Die Bauarbeiten begannen Ende 2006 und bereits im Oktober 2007 eröffneten Einzelhandelsmärkte und kleinere Geschäfte. Das Nahversorgungszentrum Grünwinkel entstand, das heute nicht mehr weg zu denken und eindeutig eine Aufwertung des Stadtteils ist. Mit der Einweihung des Bürgerplatzes und des angrenzenden, umgestalteten Biergartens des Brauhaus Moninger im Mai 2008 erhielt das Brauereigelände ein neues modernes Gesicht. Im gleichen Jahr zogen Verwaltung und Vertrieb der Brauerei Moninger in das erste Obergeschoss des Nahversorgungszentrums ein. Die Weichen für die Zukunft sind gestellt.

Mit dem Motto „Bier braucht Heimat“ will die Hatz-Moninger Brauhaus GmbH die Biertrinker mit Spitzenbieren von höchster Qualität – dem regionalen Geschmack für beide Marken angepasst – begeistern. Winterberg will den Firmenslogan „Beste badische Braukunst“ konsequent durchsetzen.